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Hintergrund: Das Equine Sarkoid (ES)

Das equine Sarkoid (ES) stellt der am häufigsten vorkommenden Hauttumor dar, der in vielen Fällen auf den ersten Blick einer Warze ähnelt. Er zeigt eine Tendenz zum lokalen infiltrativen Wachstum in der Haut und neigt zu Rezidiven. Sarkoide haben verschiedene klinische Erscheinungsformen: okkult, verrukös, nodulär, fibroblastisch und gemischt.

Die Sarkoide sind zwar direkt nicht lebensbedrohlich, können aber sekundär im Falle ungünstiger Lokalisation die Nutzung eines Tieres beeinträchtigen. Daneben stellen sie ein kosmetisches Problem dar und können den materiellen sowie den Zuchtwert eines Pferdes reduzieren.

Die Behandlung von Sarkoiden erweist sich als schwierig und es ist häufig mit Rezidiven zu rechnen. Neben konventioneller chirurgischer Entfernung und herkömmlichen Therapien wird neuerdings auch eine Bekämpfung der Tumorkrankheit mittels Immuntherapie durch Stimulation der körpereigenen Abwehr, sowie durch komplementäre Therapieformen wie Homöopathie und Phytotherapie, zu der auch die Misteltherapie zu rechnen ist, versucht. Weitere Informationen.

Misteltherapie per Injektion beim Equinen Sarkoid

Sarkoid-Therapie

Der Wahl der Sarkoidtherapie ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Einerseits kann die Therapieauswahl durch den Tumor selbst (Lokalisation, Anzahl, Grösse, Form, Abgrenzbarkeit) beeinflusst werden, andererseits auch durch die Behandlung (vorherige Behandlungen, Risiko und Komplikationen der Behandlung, Erfolgsrate, kosmetischer Effekt, Durchführbarkeit, Gewohnheit der behandelnden Tierärzte). Zuletzt spielt auch der Wert des Pferdes im Vergleich zu den Behandlungskosten eine entscheidende Rolle.

Bisher hat sich jedoch keine Therapie als universell wirksam erwiesen. Es braucht oft eine Kombination verschiedener Methoden, um die Erfolgsrate einer Sarkoidbehandlung zu erhöhen. Neben der hohen Rezidivrate nach erfolgter Therapie besteht darüber hinaus immer die Gefahr, dass sich neue Sarkoide manifestieren und an bisher nicht betroffenen Körperstellen zu wachsen beginnen.

Allgemein muss festgestellt werden, dass sich die Prognose eines Equinen Sarkoids umso mehr verschlechtert, je länger die Sarkoide schon bestehen und je mehr erfolgslose Vorbehandlungen schon vorgenommen wurden. In jedem Fall wird empfohlen, die Sarkoide so früh wie möglich zu behandeln, d.h. wenn diese noch klein sind. Jegliche Vorgehensweise sollte vor einer Behandlung genauestens durchdacht und überprüft werden. Es sollten oft kombinierte Therapien verwendet werden und diese über einen längeren Zeitraum hinweg wiederholt werden. Deswegen wird dringend empfohlen, bevor irgendwelche „Wundermittel“ getestet werden, mit Ihrem Tierarzt über verschiedene Therapiemöglichkeiten, sowie ihre Vor- und Nachteile, ernsthaft zu diskutieren. Die Behandlung des equinen Sarkoides bleibt immer eine individuelle Therapie.

Es gibt verschiedene Therapieziele für den Einsatz der Mistelpräparate:

  • Primärtherapeutisch
  • Rezidivprophylaktisch nach Tumorexzision
  • OP-Vorbereitend zur Verbesserung der Demarkationsverhältnisse
  • Palliativ
  • komplementär als begleitende Therapie zu Basistherapie (z.B. Chemotherapie).

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Primärtherapie mit Mistelextrakten

Die primärtherapeutische Behandlung der Equinen Sarkoide beim Pferd zeigt gute Erfolge. Komplette oder partielle Remission der Sarkoide wurde bei über 40% der Pferde nach einem Jahr und 63% nach 5 Jahren beobachtet. In nahezu allen Fällen zeigte sich jedoch ein Stillstand im Wachstum der Sarkoide.

Insbesondere bei Pferden unter 10 Jahren, bei Pferden mit multiplen Sarkoiden (3-9 Tumoren) und beim Pferde mit verrukösen Sarkoiden waren die Erfolgsraten besonders hoch (ca. 75%).

Diese Regression und Remission der Sarkoiden benötigt allerdings Zeit : nur ca. 6% der Tumore waren unmittelbar nach der Iscador-Therapie (nach 3 Monaten) geheilt, aber 2/3 nach einem Jahr.

Die erste Zeichnen eine Verbesserung zeigen sich oft an den kleinsten Sarkoiden, die am Kopf oder der Schenkelinnenseite lokalisiert sind. Auch heilen die zuletzt neu entstandenen Tumore schneller ab.

Zusätzlich zeigten die durch die Misteltherapie vom Sarkoid geheilten Pferde auch nach 5 Jahren keinerlei Rezidiv.

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Einschränkung des Therapieerfolges

In einigen Fällen zeigten die Sarkoide trotz Iscador®-Therapie Wachstum oder es entwickelten sich neue Tumoren. Sarkoide die tendenziell wachsen, waren bereits vor der Behandlung ulzeriert oder an einer Druck- oder Reibungsstelle (z.B. Gurtenlage) lokalisiert.

Es wurde aber auch beobachtet, dass derart wachsende Sarkoide oftmals ein gestieltes Wachstum zeigen und dabei auch abfallen können.

Weil wachsende Sarkoide immer ein Risiko für das umliegende Gewebe darstellen (Erschwerung der chirurgischen Behandlung), im ästhetischen Sinne nicht toleriert werden, sowie berücksichtigt werden muss, dass in der Sommerzeit z.B. durch Fliegenbefall und Infektionen problematisch werden können, sollte die Behandlung und die weiteren Kontrollen stets gut geplant werden und eine andere Therapie oder eine Operation in Erwägung gezogen werden. Aus letztgenannten Gründen sind Operative Eingriffe dabei eher auf den Winter zu verlegen.

Allgemein muss festgestellt werden, dass sich die Prognose eines Equinen Sarkoids umso mehr verschlechtert, je länger die Sarkoide bereits bestehen und je mehr erfolglose Vorbehandlungen schon vorgenommen wurden.

Bei Pferden, die älter als 10 Jahre sind und bei schon mehrfach erfolglos behandelten Pferden (rezidivierende Sarkoide) wird oft eine Wiederholung (2 Kuren pro Jahr) oder eine Verlängerung der Therapiedauer empfohlen.

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Kombination mit Chirurgischer Entfernung der ES

In den Fällen, in denen kein Stillstand durch die Misteltherapie erzielt werden konnte und daher eine chirurgische Entfernung geplant werden musste, konnte beobachtet werden, dass sich 6 bis 8 Monate nach der Iscador Therapie diese ES besser demarkiert zeigten und somit die Operation vereinfacht werden konnte. Die Zahl der Rezidive, die erfahrungsgemäss nach Operationen sehr hoch ist, konnte deutlich gesenkt werden.

Nach einer chirurgischen Entfernung von Sarkoiden in Kombination mit einer Iscadortherapie zeigen sich gute Tendenzen einer erfolgreichen Rezidivprophylaxe oder aber auch Tendenzen einer Verringerung der Größenausprägung bzw. Wachstumsgeschwindigkeit im Falle vereinzelt auftretender Rezidive.

Bei multiplen Sarkoiden kann man auch eine selektive Chirurgie einigen operierbaren ES und eine Iscador Behandlungen für die bleibende ES erfolgreich kombinieren.

 

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Unerwünschte Nebenwirkungen und Lokalreaktionen

Die regelmässigen Injektionen stellen grundsätzlich für das Pferd kein Problem dar. Bei korrekter Ausführung der notwendigen Vorsicht zeigen die Pferde keine Reaktion.

Iscador ist beim Pferd sehr gut verträglich. Lokale Reaktionen, wie Schwellungen an der Injektionsstelle, die auf eine existente Immunantwort hindeuten, sind bei ca. 1/6 aller Pferde zu beobachten. Diese Schwellungen verschwinden spontan nach ca. 2 Tagen.

Sehr selten werden unter der Iscador®-Therapie Nebenwirkungen beobachtet, wie zum Beispiel systemische Reaktionen mit Fieber und Unwohlsein bis hin zu Apathie. Diese Reaktionen können durch Pausieren der Therapie und/oder eine Dosishalbierung eliminiert werden, indem jeweils nur eine halbe Ampulle verabreicht wird. Die Trächtigkeit bei Stuten stellt nach bisherigen Erfahrungen kein Problem während der Behandlung dar.

Vor- und Nachteile einer Mistelbehandlung

Die Vorteile dieser Therapie sind:

  • Systemische immunstimulierende Effekte durch die Misteltherapie, die eine Remission aller Sarkoide eines Pferd und nicht nur einzelner Tumore erzielen kann
  • Extrem niedrige Rezidivrate nach Heilung der Pferde durch die Misteltherapie
  • Unschädlich für Tier, Mensch und Umwelt
  • Keine schweren Nebenwirkungen
  • Wenn nötig, gut mit chirurgischer Behandlung oder anderen Therapien kombinierbar.

Die Nachteile dieser Therapie sind:

  • Lange Therapiedauer, viele Injektionen
  • Sarkoide heilen langsam ab
  • Non-responder: es gibt Pferde, bei denen die Misteltherapie aus bisher unbekannten Gründen nicht wirksam ist, diese sind vor Beginn der Therapie leider nicht identifizierbar.

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Therapieschema

Als Basistherapieschema wird gemäss den Erfahrungen aus der Studie zum Equinen Sarkoid (Christen-Clottu et al., 2010) Iscador® P 3 mal pro Woche über 3 Monate in rhythmisch aufsteigender Dosierung appliziert.

Die Pferde werden mit subkutanen Injektionen behandelt. Als Injektionsstelle empfiehlt sich die Vorderbrustregion, wo rotierend an 4 verschiedenen Stellen gespritzt wird, damit die 3 x wöchentlichen Injektionen nur alle 9 Tage am gleichen Ort stattfinden.