Neue Studie zur Behandlung von Equinen Sarkoiden mit Mistelpräparaten abgeschlossen
Die Misteltherapie wurde bisher immer durch Injektionen verabreicht. Diese wiederholten Injektionen sind jedoch oft auch der Grund, warum Besitzer diese Behandlung nicht durchführen lassen. Aus diesem Grund wurde eine orale Anwendung von Mistelextrakten in Betracht gezogen. Im Jahr 2017 wurde ein Vorversuch in der Praxis mit einer oralen Mistelbehandlung durchgeführt, dessen Ergebnisse darauf hindeuten, dass die orale Anwendung ebenfalls wirksam ist.
Wir wollten wissenschaftlich testen und in einer placebokontrollierten Studie überprüfen, ob die orale Misteltherapie bei der Behandlung von equinen Sarkoiden genauso wirksam ist wie die Mistelpräparate zur Injektion. Der Erfolg der Misteltherapie per Injektion bei equinen Sarkoiden wurde durch die Studie von Ophélie Christen-Clottu (Christen-Clottu et al. 2010) wissenschaftlich bestätigt. 41 % der mit Mistel behandelten Pferde waren nach einem Jahr klinisch geheilt, gegenüber nur 14 % der Placebo-Kontrollgruppe. Fünf Jahre nach der Behandlung konnte sogar eine Heilungserfolgsrate von 63 % verzeichnet werden (27 % in der Kontrollgruppe).
In unserer kürzlich neuen veröffentlichten randomisierten, placebo-kontrollierten Doppelblindstudie haben wir die Wirksamkeit der systemischen Behandlung von Equinen Sarkoiden mit Mistelpräparaten (Viscum album-Extrakt, VAE) über zwei Verabreichungswege (oral und subkutan) untersucht. Insgesamt nahmen 45 Pferde im Alter zwischen 3 und 12 Jahren teil. Die Behandlung erfolgte über sieben Monate, gefolgt von einer Beobachtungsphase von weiteren sieben Monaten.
Unser Ziel war es zu prüfen, ob oral verabreichtes VAE eine vergleichbare positive Wirksamkeit wie subkutane Injektionen besitzt und ob sich ein Unterschied gegenüber Placebo feststellen lässt. Die Ergebnisse zeigten, dass beide Anwendungsformen gut vertragen wurden – unerwünschte systemische Nebenwirkungen traten nicht auf.
In der Gruppe mit oraler VAE-Gabe zeigten 40 % der Pferde eine vollständige oder teilweise Rückbildung der Sarkoide, gegenüber 29 % bei subkutaner VAE-Gabe und 25 % unter Placebo.
Zur vollständigen Heilung kam es bei 4 Pferden in der oralen Gruppe, 3 in der subkutanen Gruppe und nur 2 in der Placebo Gruppe. Ausschliesslich in der Gruppe mit oraler Gabe kam es zu vollständigen Rückbildungen auch bei Pferden mit schlechter Prognose, ein Ergebnis, das weitere Forschung rechtfertigt.
Zudem unterstreicht die Studie, wie wichtig streng kontrollierte, placebo-kontrollierte Studien im Bereich der Tiermedizin sind, um objektive Aussagen zur Wirksamkeit treffen zu können.
Die Ergebnisse zeigen auch, dass die orale Gabe von VAE eine praktikable und gut akzeptierte Alternative zur Injektion darstellt – ein relevanter Aspekt für Pferdebesitzer*innen und Tierärzt*innen, besonders in Ländern mit restriktiven Regelungen für Injektionen durch Besitzer*innen.
Wir danken allen beteiligten Pferdebesitzer*innen, Unterstützenden und Fördernden für ihr Vertrauen und ihre Mithilfe. Die vollständige Studie ist im Journal of Veterinary Internal Medicine erschienen.
onlinelibrary.wiley.com: Studie "A randomized placebo‐controlled double‐blinded study comparing oral and subcutaneous administration of mistletoe extract for the treatment of equine sarcoid disease"