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Misteltherapie

Mistelpräparate werden schon seit über 80 Jahren in der Krebstherapie beim Menschen verwendet. Innerhalb der Viscum-Vet-Gruppe wird das Präparat Iscador® (Iscador AG) eingesetzt. Es kann bei den meisten Tumorerkrankungen als ein die Primärtherapie unterstützendes Präparat, unter bestimmten Bedingungen auch als alleiniges Arzneimittel verabreicht werden.

Bei Iscador® handelt es sich um ein Mistelpräparat, bei dem fermentierte Auszüge der ganzen Pflanze verwendet werden. Es gibt verschiedene Sorten, je nach dem, von welchem Wirtsbaum die Pflanze geerntet wurde. So werden beim Iscador® M (mali) Apfelbaummisteln, beim Iscador® P (pini) Kiefernmisteln oder beim Iscador® Qu (quercus) Eichenmisteln verwendet. Näheres darüber können Sie dem Grundlagen-Teil entnehmen.

Therapieansätze und -ziele

Es gibt verschiedene Therapieziele für den Einsatz der Mistelpräparate:

  • Primärtherapeutisch
  • Rezidivprophylaktisch nach Tumorexzision
  • OP-vorbereitend zur Verbesserung der Demarkationsverhältnisse
  • Palliativ
  • als begleitende Therapie zu Basistherapien (z.B: Chemotherapie, Bestrahlung)

Erfahrungen der vergangenen Jahre in der Iscador® Behandlung von Tumorerkrankungen bei Tieren deuten teilweise auf viel versprechende Erfolge hin. Es konnte unter bestimmten Bedingungen sowohl ein Wachstumsstillstand als auch eine Verlangsamungen des Tumorwachstums beobachtet werden. Tumorremissionen kommen vor, sind aber, außer beim Equinen Sarkoid, eher selten.

In vielen Fällen zeigt sich eine Verbesserung der Lebensqualität vor allem der Kleintier- Patienten. Weitere Informationen finden sich hierzu im speziellen Teil für Hunde und Katzen.

Therapierichtlinien

Mistelpräparate wie Iscador® werden generell durch subkutane Injektion der einzelnen Ampullen appliziert. Davon abweichend stehen für bestimmte Anwendungsgebiete wässrige Lösungen zur Verfügung, die auch oral appliziert werden können.

Das Therapieprotokoll wird durch die Tierart und die Erkrankung festgelegt und enthält folgende Elemente:

  •  Wirtsbaumwahl und deren Besonderheiten
  • Serientherapie und Medikamente
  • Pausen
  • Nebenwirkungen

Auswahl der Iscador-Sorte

Die Auswahl des Wirtsbaumes richtet sich nach dem Geschlecht des Patienten, dem betroffenen Gewebe, dem Reaktionsvermögen und dem Zustand des Patienten. Die Auswahl kann wechseln, falls der Patient nicht in gewünschtem Sinne reagiert.

Aus unseren Erfahrungen haben wir ein Informationsblatt zur Mistelsortenauswahl zusammengestellt, das ihr Tierarzt (nach Anmeldung mittels Kontaktformular) im Downloadbereich herunterladen kann.

Besonderheiten zur Wirtsbaumwahl

Durch die unterschiedlichen Konzentrationen der Wirkstoffe Mistellektin und Viscotoxin abhängig vom Wirtsbaum der Mistel können die Reaktionen der Patienten manchmal zu stark sein. Insbesondere bei älteren und geschwächten Patienten ist daher abweichend vom Basisschema oftmals zu empfehlen, auf die an Inhaltsstoffen "leichteste" Mistelsorte, Viscum pini (Iscador P) zurückzugreifen. Diese zeichnet sich durch äusserst gute Verträglichkeit aus.

Grundsätzlich sollte aber auch mit diesen Präparaten sehr vorsichtig vorgegangen werden, wenn sich die Patienten im Finalstadium der Erkrankung befinden oder bereits sehr geschwächt sind. Hier kann gegebenenfalls die Dosis z.B. auf eine halbe Ampulle verringert werden. 

Medikamente

Überwiegend werden für die Misteltherapie mit Iscador® folgende Präparate verwendet:

  • Iscador® P (Kiefernmistel) in den Serien 0,1 und 2
  • Iscador® M (Apfelbaummistel) in den Serien 0,1 und 2
  • Iscador® Qu (Eichenmistel) in den Serien 0,1 unbd 2
  • Und auch die oralen Präparate viscum quercus (mali oder pini) praeparatum Dilutio aquosa.

Alle Ampullen aus den Serien können auch als Sortenpackung bezogen werden. Für Iscador® M und Qu liegen zudem auf 5 mg Mistellektin standardisierte Präparate vor.

Es kann ebenfalls Iscador® A (Tannenmistel) und Iscador® U (Ulmenmistel) bezogen werden, bisher liegen hierzu in der Tiermedizin allerdings erst wenige Erfahrungen vor.

Von der Anwendung der Ulmenmistel in der Veterinärmedizin hat das Viscumvet Team abgesehen, da durch das sogenannte "Ulmensterben" auch diese Mistelsorte immer seltener geworden ist und für die Humanmedizin vorbehalten sein sollte .

Siehe auch Informationen auf mistel-therapie.de

Serientherapie

Die meisten Behandlungsprotokolle werden mit Serienpackungen durchgeführt. Diese bestehen aus langsam ansteigenden Konzentrationen mit unterschiedlichen Einstiegsdosen.

Serientherapie mit Iscador
Serie

 
Ampullen

2
Ampullen

2
Ampullen

3
Serie 00.01mg/ml0.1 mg/ml1.0 mg/ml
Serie 10.1 mg/ml1.0 mg/ml10.0 mg/ml
Serie 21.0 mg/ml10.0 mg/ml20.0 mg/ml

 

Wie der Tabelle zu entnehmen ist, erfolgt bei nacheinander durchgeführter Serienbehandlung (z.B. Serie 0 --> Serie 1) ein rhythmischer Anstieg der jeweils in einer Behandlung verabreichten Konzentration. Die Verabreichung des Medikamentes in verschiedenen Konzentrationen ist therapeutisch über viele Jahrzehnte bewährt und in neuen immunologischen Studien konnte gezeigt werden, dass diese diversen Konzentrationen von bestimmten Mistelpräparaten tatsächlich auch unterschiedliche immunologische Abwehrvorgänge anregen.

Therapieschema

Die Einleitung der Serientherapie mit dem Präparat Iscador® beginnt tierartspezifisch in der Regel mit Serie 0 oder Serie 1. Diese wird entsprechend dem Packungsinhalt durchlaufen. Die Tiere erhalten in der Regel 3 Injektionen in der Woche mit jeweils einer Ampulle.

Das weitere Vorgehen, eine Steigerung der Dosis zur nächstfolgenden Serie oder davon abweichende Behandlungs-Schemata hängen von der Reaktion des Patienten ab und sollten mit dem Tierarzt abgesprochen werden.

Grundsätzliches Schema in der Behandlung von Tieren mit der Serientherapie
Reaktion nach der ersten Serieweiteres Therapieschema
keineWechsel zu nächsthöheren Serie
positiv (Lebensqualität, Spielfreude, Appetit, Aktivität)

Bei vorhandenem Tumor --> nächsthöhere Serie

Bei operierten Tieren --> Serien-Enddosis = vorläufige Erhaltungsdosis

Nebenwirkungen, Apathie, anhaltende Schwellungen an der Injektionsstelle.

Pausieren bis zur Normalisierung des Zustandes, Dosisverringerung, nochmals die gleiche Serie durchlaufen.

Die Dauer der Behandlung hängt vom Verlauf der Tumorerkrankung und vom Zustand des Patienten ab. Im Falle postoperative Prophylaxebehandlungen kann das Schema um weitere Pausen ergänzt werden.

Bei bestimmten Erkrankungen sind Spezialprotokolle entwickelt worden, die vom Grundschema zum Teil erheblich abweichen.

  • Equines Sarkoid der Pferde und Esel
  • Gesäugetumore der Hündin
  • Fibrosarkome der Katze

Dennoch ist das Basisprotokoll auch bei diesen Erkrankungen anwendbar. Dabei ist zu beachten, dass bei Fibrosarkomen der Katze ein Protokoll mit Tropfen entwickelt wurde, um Injektionen zu vermeiden.

Pausen

Zwischen den Behandlungsserien können Pausen (meist 1-2 Wochen) eingelegt werden, um die Wirkung der Behandlung abzuwarten. Es ist dabei darauf zu achten, ob sich der allgemeine Zustand des Patienten verändert oder der Tumor wieder wächst. In dem Fall ist eine tierärztliche Konsultation notwendig. Eventuell sollte dann die Therapie unmittelbar fortgesetzt werden.

Auftreten von Nebenwirkungen

Während der Behandlung können Nebenwirkungen auftreten, deren Verlauf genau zu beobachten ist und die eventuell Änderungen im Therapieschema oder sogar eine Behandlungspause erfordern. Diese können sein:

  • Leichte, sich spontan zurückbildende Schwellung an der Injektionsstelle
  • anhaltende Schwellung an der Injektionsstelle
  • Fieber über eine leichte Temperaturerhöhung hinaus
  • Müdigkeit oder Apathie

Leichte Schwellungen an der Injektionsstelle und in Einzelfällen leichte Temperaturerhöhungen zeigen die gewünschte Reaktivität des Organismus an. Sie gelten als normal und weisen darauf hin, dass die Dosis richtig gewählt wurde.

Schwerer wiegende Nebenwirkungen, vor allem apathische Patienten deuten hingegen auf eine zu hoch gewählte Dosis hin. Die Therapie sollte zunächst unterbrochen werden.

Konsultieren Sie im Falle dieser unerwünschten Wirkungen Ihren Tierarzt!

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